Ein Tagebuch dient nicht nur der Selbstreflexion und der persönlichen Rückschau, es kann auch als Steinbruch für gemeinsame Erinnerungen dienen, als Familienchronik oder als Puzzlestein des kollektiven Gedächtnisses. Tagebücher halten oft Banales und Nebensächliches fest, für das sich außer dem Schreiber kaum jemand interessiert, oder Befindlichkeiten, die selbst dem Autor nach einiger Zeit fremd geworden sind – aber auch Erfahrungen und Erlebnisse, die bleibenden Wert haben, Reiseeindrücke, Erinnerungen an Dinge, die eines Tages verschwunden sind und keinen offiziellen Chronisten gefunden haben. Persönliche Aufzeichnungen können so die akademische Geschichtsschreibung mit ihrer Anhäufung trockener Fakten anschaulich ergänzen. Deshalb sollte man sie nicht gar zu gering achten und vielleicht doch aufbewahren – die unscheinbaren Aufzeichnungen und Notizzettel eines ganz gewöhnlichen Durchschnittslebens.